Du gehörst mir, also töte ich dich
Darum geht es
Wird ein Femizid vor Gericht verhandelt, kann eine Person sich nicht dazu äußern: die getötete Frau. Das Schweigen, das diese Taten umgibt, will der Text „Du gehörst mir, also töte ich dich“ durchbrechen. Er untersucht erstmals, wie deutsche Strafgerichte mit Tötungsdelikten an Frauen umgehen. Die Analyse aller Femizid-Fälle eines Jahres ergibt teils gravierende Unterschiede bei der Rechtsprechung: Ein Teil der Gerichte wertet das Besitzdenken des Täters als besonders verwerflich und verurteilt die Tat als Mord. Andere erkennen das Besitz- und Kontrollverhalten des Täters nicht – und sprechen in der Folge ein deutlich milderes Urteil. Das uneinheitliche Vorgehen der Gerichte löst bei Hinterbliebenen das Gefühl aus, dass sie um Anerkennung ihres Leids bangen müssen. Zudem verletzt es Grundsätze des Rechtsstaats. Und es behindert die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit tödlicher Gewalt gegen Frauen, da unklar bleibt, wie sie einzuordnen ist.
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Autor/en
Franziska Pröll hat Lateinamerikastudien, Publizistik und Soziologie studiert und sich an der Reportageschule Reutlingen zur Journalistin ausbilden lassen. Am liebsten widmet sie sich länger angelegten Recherchen und Reportagen, die nah am Menschen sind. Ihre Texte sind in verschiedenen Zeitungen und Magazinen erschienen, darunter Süddeutsche Zeitung und Die Zeit. Seit 2022 ist sie Redakteurin im Gesellschaftsressort der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Dort beschäftigt sie sich mit Bildung, psychischer Gesundheit und geschlechtsbezogener Gewalt.
Fotocredit: Lucas Bäuml
Julia Bellan ist seit Juli 2022 Datenjournalistin im Ressort Daten und Visualisierung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Sie studierte Medienwirtschaft und Journalismus in Wilhelmshaven. Im Master an der Universität Leipzig, mit einem Auslandssemester in Lyon, spezialisierte sie sich auf Datenjournalismus. Erste journalistische Erfahrungen sammelte sie in der Lokalredaktion der „Böhme-Zeitung“ und im Datenteam der „Rheinischen Post“. Durch ein achtwöchiges Google News Fellowship des European Journalism Center kam sie in die Redaktion von FAZ.NET. Dort arbeitet sie mit Daten zu den verschiedensten Themen – von Zahlen zur Geschlechtergerechtigkeit, über Wahlergebnisse bis hin zu Verkehrsdaten.
Fotocredit: Lucas Bäuml